Sonntag, 27. November 2011

unterwegs

Ach, ach.
Gestern hatte ich mal wieder einen langen Tag mit der Bahn. Es war die Rückfahrt. Es ging nach Hause.
Die Fahrt sollte länger als sonst üblich dauern, denn ich hatte beim Buchen nicht richtig geguckt und für den Hauptteil der Strecke statt eines ICEs einen IC erwischt, was gleich mal eine Stunde an zusätzlicher Fahrtzeit ausmacht. Naja, ich hatte es ja nicht eilig. Ich hatte ja keinen Termin.
Aber leider war meine Fahrt nicht ganz so entspannt wie die Hinfahrt.


Auf meinem ersten Zwischenstopp in Bützow plante ich, auf die Toilette zu gehen. Es gibt dort ein formidables Toilettenhäuschen, das sich für 50 Cent öffnen sollte, das sich nach Benutzung auch komplett selbsttätig reinigt. Das ganze Häuschen - innen - alles! Eine tolle Erfindung! Ehrlich! Ich hatte schonmal das Vergnügen in Bützow. Das war wirklich in Ordnung. Darum war ich auch nicht in der Bimmelbahn, die mich dort absetzen sollte, auf die Toilette gegangen, weil ich dachte, Mensch, in Bützow, da gehst du wieder auf die Raumschiff-Enterprise-Toilette, die ist prima.
Dachte ich mir so.
Die Raumschiff-Enterprise-Toilette dachte aber nicht im Traum daran, sich für die eingeworfenen 50 Cent zu öffnen. Die sich normalerweise mit einem Zischen öffnenden (zumindest glaube ich, dass sie dies damals taten, kann aber auch sein, dass ich mir dies mit meinem Trekkie-Hirn dazugesponnen habe) seitlich aufgleitenden Türen blieben eisern geschlossen. Das Display zeigte mir fröhlich blinkend den einzuwerfenden Betrag an, aber nicht, dass ich diesen schon geleistet hätte. Und wenn ich mir den Münzschlitz so recht besah, konnte ich entdecken, dass sich schon so einige Münzen im Münzeinwurf tummelten und verkantet hatten. Hm. Störnummer anrufen, bringt auf die Schnelle auch nichts. Ich hatte zwar 45 Minuten Aufenthalt - in Bützow, du meine Güte, da gab's nur einen Kiosk und eben jene Raumschiff-Enterprise-Toilette -, aber dass da ein Geordi La Forge prompt herbeispazieren würde, um mir schnellen Zutritt zu verschaffen, daran konnte ich nicht so recht glauben.
Wobei mir ein Reginald Barclay ja reichen würde. Wär doch was.
Wenigstens Scotty? Wobei der ja erstmal behaupten würde, dass die Reparatur miiiindestens 4 Stunden dauert. Um es dann in zwei Minuten zu schaffen.

Wo war ich?

Ach ja, die Störnummer.
Nein, die habe ich nicht angerufen, obwohl es mir widerstrebte, den nächsten Blasengedrängten in die gleiche Falle laufen zu lassen.
Mein Handy-Akku hatte schon mehrmals protestiert, daher war mein Handy ausgeschaltet, um für den Notfall gerüstet zu sein. Ob der IC mir Strom-Nachschub in Gestalt einer vorhandenen Steckdose leisten würde, wusste ich nicht sicher, darum war ein Wiedereinschalten meines Handys für solch einen Anruf zu dem Zeitpunkt keine Option für mich.
Post-its hatte ich auch nicht zur Hand, nichtmal einen Edding (boah, Schleichwerbung). Letzteres wäre zudem Sachbeschädigung gewesen.
So stand ich also etwas unentspannt vor dem Toilettenhäuschen herum, erklärte englisch radebrechend zwei Russen, dass sie von einem Münzeinwurf besser absehen sollten, dafür bekämen sie keine Leistung, und schaute abwechselnd von einer der drei vorhandenen Bahnhofsuhren in Bützow zur nächsten.
Sie zeigten im übrigen drei verschiedene Uhrzeiten an. Von denen keine stimmte.
Auf dem schönen, neuen, blauen Zug-Abfahrts-Monitor stimmte sie, immerhin.

Was macht man, wenn man 45 Minuten Zeit hat und sich von seiner allmählich verstimmten Blase ablenken will?
Man nimmt sich am Kiosk zwei Kaffe-Umrühr-Holzstäbchen und versucht mittels dieser, aus dem Münzschlitz der Raumschiff-Enterprise-Bahnhofs-Toilette, seine eingeworfenen 50 Cent wieder herauszuholen. Was irgendwann gelang.
Aber eigentlich hegte ich schon irgendwie die Hoffnung, dass das verkantete Geld auch mal nach unten durchrutschen und sich die beiden Türen für mich doch noch öffnen würden...

Ich verrate euch, was meine erste Tat im (Uralt-)IC nach Koffer-auf-die-Kofferablage-Hieven (für eine kleine Meise mit drängender Blase auch kein leichtes Kunststück) und Jacke-Ausziehen war.
Nein. Das brauche ich nicht. Das wisst ihr bereits.

Natürlich kein Vergleich zur Raumschiff-Enterprise-Toilette!!
Dafür war aber die Tür zu öffnen.



Übrigens: dem Nächsten, der seinen dicken Koffer mitten in den Gang stellt, dass man eigentlich nur noch mit Hecksprung drüber kommt, neben sich den Sitzplatz aber nur mit dem schlappen Rucksack belegt, der kriegt von mir einen vor die Mappe! So!
Oder ich rufe Worf!
Ihr seid gewarnt da draußen!
Qapla'!

Kommentare:

Frau Vau hat gesagt…

*grins*
Willkommen zuhause!

Meise hat gesagt…

Danke, beste Frau Vau!
Ich bin übrigens über Hamburg geschippert! ;) Habe direkt an Sie gedacht!

Frau Vau hat gesagt…

Das war bestimmt da, als ich Schluckauf hatte.. :-)