Samstag, 23. Juli 2011

Angebote und Lügen

Das erste:
Als ich mein Fahrrad an dem Strauch, wo ich es zuhause auf der Straße immer abstelle, abschloss, zog mein gruseliger Nachbar vom Hauseingang nebenan seine Jalousie gerade so weit hoch, dass er seinen Kopf drunter durch stecken konnte und raunte:
"Ich wollte Sie mal was fragen..."
"Ähm, ja?"
"Essen Sie Champignons?"
"Hä?"
"Essen Sie Champignons?"
"Äääh... nein."
"Schade. Ich habe nämlich zu viele..."

Das zweite:
Ich bin auf dem Weg nach Hause - zu Fuß, da ich gerade mein Fahrrad zur Reparatur abgegeben habe - und begegne dem ups-Fahrer, der schon mal bei uns in der Werkstatt etwas anliefert.
"Hast du morgen Zeit?" fragt er ansatzlos.
"Morgen? Nein, bin ich unterwegs."
"Schade."
"Warum?"
"Ich wollte mit dir einen Kaffee trinken gehen."
"Ein andermal vielleicht."

Zum ersten:
Der Nachbar war mir von Anfang an suspekt, schon seit Jahren und er konnte diesen Eindruck nie wett machen sondern immer nur verstärken. Er raunt und flüstert so komisch und öffnet oft gerade dann sein Fenster, wenn ich mein Rad dort vor seinem Fenster abschließe, als hätte er nur darauf gewartet, dass er jemanden ansprechen kann. Es ist traurig irgendwie, weil er vielleicht einsam ist, aber gleichzeitig fühle ich mich einfach unwohl, wenn er mich anspricht und ich finde ihn wirklich gruselig. - Die Lüge: Ich esse ziemlich gerne Champignons. Aber nicht seine...

Zum zweiten:
Der ups-Fahrer ist wirklich ein netter Mensch, den ich immer herzlich begrüße, wenn er mir begegnet. Ich winke ihm auch häufig von Weitem zu, wenn ich ihn in seinem braunen Wagen sehe. Aber es ist einfach nur so, dass ich ihn zwar nett finde, aber meine Erwiderung "Ein andermal vielleicht." eine glatte Lüge war, denn ich möchte ihn gar nicht weiter kennen lernen. Wie sagt man jemandem so was, ohne dass es gemein klingt? Und ist es nicht auch irgendwie gemein? Oder ist es einfach nur oberflächlich?


Manchmal frage ich mich, ob Höflichkeit richtig ist und man nicht ehrlicher sein sollte. Manchmal sage ich mir, dass ohne Höflichkeit eine Erwiderung wie ein Schlag mit einem nassen Handtuch ins Gesicht sein kann, es kann unfassbar weh tun.
Wie schwierig ist es, die richtige Antwort zu geben.
Und wie man an meinen Erwiderungen merkt, bin ich nicht gerade mit Schlagfertigkeit und Redegabe gesegnet...

Kommentare:

Georg hat gesagt…

Ganz einfach: NEIN. Ich möchte nicht; keine Champignons etc.

Auch ich habe lernen müssen NEIN zu sagen.

Andere sagen ja auch NEIN wenn ich sie um etwas bitte. Ich bin dann nicht böse. Also warum sollten andere dann böse auf mich sein.

Hier zählt nur was DU willst. Nix mehr!

schattentanz3 hat gesagt…

"Tut mir Leid, ich habe kein Interesse."
ein nettes Lächeln dazu, und keine Ausflüchte oder Entschuldigungen. Ich denke, das ist einfach die "netteste" Art. Wenn jemand mal um mal verschoben wird, oder gar irgendwelche Geschichten aufgetischt bekommt fühlt er sich auch doof, und weiß nicht einmal woran er ist. So ist es deutlich - ohne unhöflich zu sein. (Ist aber nicht leicht, aber mit etwas Übung geht's schon...)
Lieben Gruss

Meise hat gesagt…

Ja. Ihr habt recht.
Ich bin wohl doch was feige.
Wird geübt. Ehrlich sein und trotzdem höflich, das muss gehen.