Sonntag, 12. Juni 2011

Pfingsteindrücke

Natur erlebt man auch im Gemeinschaftsgarten, wo Hummeln um einen herum von Kleeblüte zu Kleeblüte summen, eine Kohlmeise seelenruhig im Baum auf einem Ästlein ihr Gefieder putzt, während eine Amsel ein Stückchen weiter auf der Suche nach Futter immer wieder laut durchs dichte Geäst bricht und unten zu Fuße desselben Baumes ein Eichhörnchen genüßlich irgendwelche Nüsslein zerknabbert und knuspert. Ein paar Äste darüber landet meckernd ein Buntspecht und tut seine Anwesenheit kund. Eine schwarze Katze strolcht durch das Loch im Maschendrahtzaun herbei und holt sich leise miauend von der Fremden im Liegestuhl* ein paar Streicheleinheiten ab, bevor sie weiterzieht. Elstern hüpfen lärmend auf dem Dachfirst herum und allüberall erklingen Vogelstimmen, die schon fast brutal zwitschernd ihr Revier klarmachen*². Da stören auch nicht mehr das Zankgezeter und die Sexgeräusche, die von irgendwo aus den vielen offenen Fenstern in das Gartenrund dringen, sondern fügen sich nahtlos ein ins kunterbunte Leben. Es knistert in den Bäumen, zwei Gärten weiter spielen Kinder, kreischen, ein Hund bellt, die Amsel wettert, eine Meisenfamilie schlüpft raschelnd durch das Efeublattgewimmel eines bewachsenen Baumstammes. Da ich schon lausche, höre ich auch weit entfernt noch das dumpfe Trommeln eines Spielmannszug durch die Straßen ziehen. Da, ein Klicken, die Nachbarin sitzt am offenen Fenster und hat sich gerade eine Zigarette mit ihrem Feuerzeug angezündet. Einer der hier mittlerweile häufigen grünen Sittiche quäkt im Blättergrün gut getarnt und anscheinend zufrieden vor sich hin. Ich atme durch. Idyllischer Pfingstsonntag.


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* das bin ich
*² in Städten sollen die Vögel ja lauter zwitschern als auf dem Lande, weil sie den Straßenlärm etc. noch übertönen müssen

Kommentare:

mkh hat gesagt…

Hört sich nach einem entspannten Sonntagnachmittag an!

"... das Zankgezeter und die Sexgeräusche, die von irgendwo aus den offenen Fenstern dringen" - kam das aus ein und demselben Fenster?!?

Ansonsten - da habe wieder was gelernt, in diesem Fall: was die Halsbandsittiche angeht.



Da stören auch nicht mehr das Zankgezeter und die Sexgeräusche, die von irgendwo aus den vielen offenen Fenstern in das Gartenrund dringen

Meise hat gesagt…

Im Kölner Raum sind die Sittiche schon ziemlich häufig geworden, es soll hier aber noch Leute geben, die sie bisher haben übersehen können. Wer weiß, vielleicht tauchen sie auch irgendwann in deiner Gegend auf.
Zankgezeter und Sexgeräusche kamen in der Tat aus verschiedenen Richtungen, also kein Streit mit anschließender körperlicher Versöhnung. ;)

mkh hat gesagt…

Sie sind schon da, wie ich bei wiki lesen konnte. Jedenfalls dort, wo ich herkomme: am Rhein, aber südlicher! Spannend dürfte nun werden, wann sie den Seitenarm, wo ich mittlerweile weile, weiter flussaufwärts folgen.
Neozoen - interessantes Thema ...