Sonntag, 13. Juni 2010

Schieben

Ach, es ist doch wirklich blöd, wenn man sich für's Wochenende gewisse Dinge vornimmt, die zum Teil schon lange aufgeschoben wurden und man schiebt sie erneut vor sich her. Von Samstag schiebt man's auf den Sonntag und ruck-zuck ist's schon fast Abend und man hat immer noch nichts erreicht.
Tolles Wochenende, wenn man es nur damit verbringt, die Dinge vor sich herzuschieben.
*seufz*

Ich müsste auch eigentlich eine Freundin anrufen. Ihr geht's nämlich gerade nicht gut. Ein Todesfall im engsten Freundeskreis. Und ich wusste schon bei unserem letzten Telefonat nicht, was ich sagen sollte. Ich bin bei diesem Thema, wenn's nicht um Vergangenes oder Spekulatives geht, regelrecht gelähmt. Ich finde keine tröstenden Worte und möchte am liebsten vor der Situation flüchten. Was wirklich kein Freundschaftsdienst ist. Und so schiebe ich auch dieses Thema vor mir her, will es nicht anpacken.
Und dabei hab ich gedacht, in den letzten Jahren hätte ich in dieser Richtung dazugelernt, gelernt, mich damit auseinanderzusetzen.

Und so sitz ich hier schon den ganzen Tag und schalte im Fernsehprogramm hin und her und sehe eigentlich gar nichts, denke nichts und schiebe und schiebe alles vor mir her.

Kommentare:

mkh hat gesagt…

Schieben macht - auch mir - kein gutes Gefühl, denn man kann sich weder über den Erfolg der Umsetzung freuen noch die Entspannung des Nichtstuns mit gutem Gewissen genießen. Es ist nix Halbes und nix Ganzes. Dennoch: Sei nicht so streng. Alles das ist verständlich und menschlich und darf auch seinen raum im Leben haben. Ein andermal, zum richtigen Zeitpunkt, läufts umso konsequenter. Davon abgesehen gibt es auch Dinge im Leben, die fallen einem halt immer schwer, so wie meine Steuererklärung... Dass es dir außerdem alles andere als leicht fällt, bei dieser Freundin anzurufen, finde ich ebenfalls nachvollziehbar. Was kann man ihr auch sagen? Und trotzdem ist es wichtig, ein Ze3ichen zu setzen, vielleicht mit einer Karte, oder vielleicht kommt doch der Zeitpunkt für ein kurzer Anruf, der halt einen gewissen Schub an Kraft braucht... Also, Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist!

mkh hat gesagt…

PS
Schönes neues Layout hast du geschaffen!

Orinoko hat gesagt…

Schliesse mich an, sieht sehr gut aus das neue Layout.
Dann möchte ich noch zureden die Freundin doch noch anzurufen. Wer weiss schon, ob wirklich die ganze Zeit getröstet werden muss? Erstmal anhören was sie zu sagen hat. Meist wird nicht erwartet, dass man eloquent ist und bessere Gestimmtheit herstellen kann.

Meise hat gesagt…

Danke euch beiden für das Lob für die Umgestaltung und für's Aufbauen!

Ich habe sie gestern noch angerufen.
Und es war gut, dass ich das getan habe. Und eigentlich brauchte ich auch nicht viel sagen, aber eben ein bisschen zuhören.

Aber es hängt mir weiterhin nach, dass ich irgendwie doch so egoistisch bin, mich einem Thema nicht wirklich aussetzen will, einer Gefühlskatastrophe, obwohl sie mich nicht direkt betraf und betrifft, dass ich meine Freundin ja doch irgendwie hängen ließ.

GZi hat gesagt…

Es ist gut, dass Du Deine Freundin angerufen hast! Zuhören ist ja das Wichtige in solchen Momenten, gar nicht das, was man selber dazu zu sagen hat. Da sein hat, Zeit - und sei es nur am Telefon - haben.
Bei allem anderen kenne ich diese Schieberitis sehr gut - manche Sache muss halt geschoben werden, bis es so unerträglich drückt, dass man nicht anders mehr kann - und erstaulicherweise merkt man dann, dass man in der Schiebezeit unbewusst doch meistens bereits daran gearbeitet hat...
Und dem Layout-Lob kann ich mich nur anschließen. Aber grün gefiel mir auch sehr gut!

Meise hat gesagt…

Ich glaube, ich hatte vor allem deshalb Angst vor dem Telefonat, weil damit vielleicht altbekannte Gefühle in mir wieder heraufbeschwört werden könnten... und ein Weilchen bleiben könnten.
Und weil ich weiß, dass es manchmal einfach keinen Trost gibt.