Dienstag, 12. Mai 2009

Rückblick - IV

Der letzte Rückblick. Im Ernst.

Mit dem Titel:

Das Toilettenpapier-Manöver

*räusper*

Es waren einmal zwei Patienten in einem Zweibettzimmer, deren Operation gerade einmal drei Tage zurücklag. Die Reinigungskraft, die zweimal täglich durch dieses Zimmer fegte* und zur Einleitung die beiden Patientinnen jedesmal sprühend gutgelaunt mit "Moin Mädels, alles klar bei euch?" an- und gelegentlich auch wachrief , sollte am Sonntag freihaben.
Die Ersatzkraft sollte leider nicht alle Informationen (wie sich später herausstellen sollte) erhalten und ließ infolgedessen einen ganzen Flur aus, was hieß, dass besagte Patientinnen keine neue Rollen Toilettenpapier erhielten.
Was machten nun diese Patientinnen?
Klingelten sie nach der Schwester, um sich zu beschweren?
Weinten sie bitterlich ob dieser Ungerechtigkeit: Abführmittelchen erhalten zu haben, aber kein Toilettenpapier?
Hmmmnein.
Sie machten sich auf, ihre Kemenate zu verlassen und räubern zu gehen.
Sie gingen äußerst unauffällig den Flur entlang, bis sie die Besuchertoiletten erreichten, die eine sondierte die Lage, gab der anderen ein Zeichen, dass die Luft rein sei, woraufhin diese kurz in dem kleinen Räumchen verschwand und mit der Beute in der Hand zurückkehrte, diese meisterlich hinter ihrem Rücken versteckt. Auf dem Rückweg zum sicheren Räuberhort hielten sich die beiden ihre Bäuche - ob vor Schmerz oder vor zurückgedrängtem Lachen...? Wahrscheinlich gründete Ersteres aus Zweiterem.

Sie sollten dieses Manöver an diesem Tage noch einmal an anderer Stelle ausführen** und sicher zu ihrem Räubernest zurückkehren.

Da die beiden Patientinnen es nicht lassen konnten, ihren Besuchern von den gelungenen Raubzügen zu berichten, gab es danach das eine oder andere Toilettenpapiergeschenk. Welche danach, als die reguläre Reinigungskraft wieder da war, eigentlich nicht mehr gebraucht wurden.


Zum Abschluss noch ein paar Weisheiten und eine Frage:

  1. Wenn man nach einer Bauchoperation die ersten Versuche im Treppensteigen macht, sollte man dies tunlichst nicht in Gesellschaft einer Person machen, die einen zum Lachen bringt.
  2. Rosa Arbeitskluft kann auch einem Assistenzarzt stehen.
  3. Als hauptsächlich liegender Patient sollte man tunlichst "unruhige Socken" vermeiden. Das ist der Entspannung und Rekonvaleszenz abträglich - zumindest die der Bettnachbarin, die sich über diese Äußerung schlapplachen muss und sich dabei schmerzverzerrt krümmt.
  4. Pfannensitzen geht - sobald man die Hemmnis überwunden hat, "ins Bett zu machen".
  5. Warum zum Teufel heißt die morgendliche Urin-Abgabe "Spontan-Urin"??? Meine Güte.

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*...und damit ist nicht das Fegen mit Besen gemeint, das machte sie nämlich mit einem Wischer!
**Natürlich wurde bei beiden Gelegenheiten darauf geachtet, dass hinterher kein Besucher unversehends mit leeren Händen dagestanden... ähm... gesessen hätte.

Kommentare:

mkh hat gesagt…

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr beiden Mädels ein ziemlich gutes Team wart!

Orinoko hat gesagt…

"...mit leeren Händen" ist ein schönes Bild aber nicht zutreffend, Füllung ist ja da.

Frau Vivaldi hat gesagt…

Autsch - ja, das kenne ich aus eigener Erfahrung.. nach meiner Bauch-OP vor vielen vielen Jahren hatte ich eine Bettnachbarin, die mich so zum Lachen gebracht hat, dass ich in die Narbe eingeblutet habe (dies konnte natürlich nur passieren, weil der Operateur die Drains vergessen hatte.. aber ohne Lachen wär nicht so viel passiert...). War aber trotzdem eine tolle Zeit - so viel hatte ich sonst damals nicht zu lachen und ich finds manchmal schade, dass wir den Kontakt verloren haben..

Lily hat gesagt…

Am krassesten mutet mich der Widerspruch zwischen "Besuchertoilette" und "Reine Luft" an.
Voll krass- das gibbet nämlich gar nicht. Die meisten Besucherklos sind doch so kleine, fensterlose...
ach, lassen wir das.
LG
Lily

Jay hat gesagt…

Irgendwie klingt das mehr nach Abenteuerurlaub den du da hattest. :D

Meise hat gesagt…

@mkh:
Das waren wir in der Tat. Ich möchte fast behaupten, besser wäre kaum vorstellbar.

@Orinoko:
Hm. Meine Erwiderung hierauf verkneife ich mir jetzt mal. ;) Ähem...

@Frau Vau:
Ich treffe mich morgen mit meiner Bettnachbarin. Freue mich schon! :)

@Lily:
Nunja, die "reine Luft" wurde ja zunächst mal im Flur konstatiert. Aber in der Tat waren die Toiletten auf dieser Station (die anderen habe ich ja nicht inspiziert) in Ordnung.

@Jay:
Im Vorfeld riet mir ein guter Freund die ganze Sache so zu sehen. Glücklicherweise blieb ich in der Verfassung, diesen Rat befolgen zu können. Darum: Ja, irgendwie war es ein Abenteuer.

mkh hat gesagt…

Betreff: "Ich treffe mich morgen mit meiner Bettnachbarin. Freue mich schon!"

Aber nicht lachen!

Meise hat gesagt…

Doch. Ganz bestimmt. ;)

Der Bildermann hat gesagt…

Liebe Meise,
vielen Dank für Ihre ausführlichen 4 Berichte (ich persönlich hoffe ja auf weitere, Krankenhausgeschichten sind stets willkommen).
Sehr amüsant. Und an dieser Stelle sei nochmals bestätigt: Sie und Ihre Zimmernachbarin - DreamTeam!