Donnerstag, 7. Mai 2009

Rückblick - III

OP-Strümpfe!
Wer schonmal in einem Krankenhaus gelegen hat, kennt sie.
Ach, auch Besucher eines Krankenhauses kennen sie, da die meisten Patienten solch beinbeschmückt durch die Flure schlurfen und so schnell des Besuchers Auge kränken.
Aber das darf man im Krankenhaus. Sagt ja schon der Name. ;)
Und wo Hemdchen - hinten offen - und Netzunterwäsche gereicht werden, sind die weißen Strümpfe, die eine nette und völlig ungewollte Thrombose verhindern sollen, gar nichtmal die schlimmsten Bekleidungsstücke.
Manche haben auch gar kein Problem mit diesen enganliegenden, an den Zehen offenen Beinkleidern.
Ich schon.
Für mich war selbst die kürzeste Länge zu lang, was die Frage aufwarf: Wo krempele ich jetzt - unten oder oben?
Nach kurzem Ausprobieren (bei der ersten Strumpfzuteilung am Morgen vor der OP bekam ich wirklich viiiiel zu lange Strümpfe, da konnte ich einen halben Meter krempeln!!!) war klar, obenherum krempeln geht nicht, das quetscht die Oberschenkel ab und rollt sich trotzdem ein.
Also am Fuß krempeln.
Was von Schwestern nicht gern gesehen wird, da das auch irgendwie nicht gut für die Blutzirkulation sein soll.
Also... ähm... gar nicht krempeln.
Was heißt, dass man mit baumelndem Zehenteil - was je nach aktueller Strumpfzuteilung mal 20 Zentimeter bis hin zu 50 Zentimetern bedeuten konnte - herumschlurfen oder die überhängende Länge in eine - am besten passende weiße - Socke unter der Fußsohle zusammengefaltet unterzubringen. Was immerhin einen gefühlten Größenzuwachs von einem Zentimeter ergab.

ABER
die Länge dieser netten Bekleidung war's eigentlich nicht, die mir die Schweißtropfen auf die Stirne zauberte, sondern dass sich die eine oder andere Schwester nicht an die bewährte Größe hielt und sich bei der nächsten Zuteilung in der Wahl des Beinkleidumfanges ein wenig vergriff. Was beim Ankleiden (da sie extrem eng waren) erstmal enorm anstrengend war - mit verheilendem Bauchschnitt kein Zuckerschlecken! - und zur Folge hatte, dass die Strümpfe gern den Weg des geringeren Widerstandes gingen und sich häufig Richtung Knie wieder abrollten.
Solange man darauf lag, stellte dies kein Problem dar, sobald man aber mal einen Gang Richtung Toilette oder gar auf dem Flur hin und her tat... let's roll!
Alle fünf Tage sollten die Beinkleider erneuert werden. Nachdem ich schon die zweite Beinkleidzuteilung zwei Tage früher erbettelt hatte, wollte ich bei der dritten Zuteilung nicht schon wieder nörgeln. Also musste ich mit besagten rollenden Strümpfen eine ganze Weile in Beziehung treten.
Was letzten Endes dazu führte, dass ich den Meisen-Strumpf-Boykott ausrief und nach morgendlicher Spritzengabe die Beinstrümpfe bis zum Knie herunterklappte und den Überhang irgendwie in der Socke versteckte - ich also eigentlich mit OP-Kniestrümpfen herumlief.
Sah keiner. War ja unter der Trainingshose versteckt.
Zumindest konnte ich so auch mal völlig ohne zu fluchen einen Gang durch den kleinen Park (früher mal ein Friedhof und noch heute mit einigen Grabsteinen geschmückt) oder hoch ins Bistro machen, ohne unterwegs die Strümpfe zu verlieren. (Was mir zu Anfang nämlich schon passiert war!!!)
Meinen heimlichen Strumpf-Boykott musste ich aber nur fünf Tage durchhalten, denn dann bekam ich wieder die richtige Größe, die vom Umfang her passte und nur 20 Zentimeter zu lang war. ;) Immerhin.

Kommentare:

N(acht)W(ächter) hat gesagt…

Ich fand die Dinger klasse. so klasse, das ich, als das letzte Mal ein Krankenhaus fluchtartig verlies, sie noch anhatte.
Naja, jetzt liegen sie frisch gewaschen in meiner Strumpfschublade.
Beim Bedarf sende ich sie an die bekannte Adresse:-)

Meise hat gesagt…

Uaaah! Neenee, ich bin doch froh, dass ich die Dinger quitt bin!
Und die wären mir wahrscheinlich eh wieder einen halben Meter zu lang! ;)

mkh hat gesagt…

Ein heimlicher Boykott also!

Ich glaube, ich würde da auch recht bald flüchten...

Meise hat gesagt…

@mkh:
Unheimlich heimlich! ;)