Montag, 4. Mai 2009

Rückblick - II

Der Morgen nach der OP:
gleich drei Schwestern stürmten invasionsartig unser Zimmer, verpassten uns zunächst unsere Heparin-Spritzen, um dann zum Nahkampf überzugehen: wir mussten (natürlich nacheinander) aufstehen, um im Schulterschluss mit den Schwestern zur -gottseidank- nur ein paar Schritt entfernten "Nasszelle" zu wanken.
Es ging erstaunlich gut!
Und was mich auch erstaunte war, dass es mir so gut wie nichts ausmachte, dass ich von fremden Händen nicht nur ausgezogen sondern auch gewaschen wurde. Gnädig, wie die Schwestern waren, durfte ich gleichzeitig mit eigenem Waschlappen auch ein wenig selbst tätig werden, ;) - sehr effektiv, solch ein synchrones Waschen!
Es war ein positives Erlebnis, denn die Schwestern waren gut gelaunt und nett und irgendwie hatten wir ja alle das gleiche Ziel.

Gegen Mittag erfolgte die nächste Stürmung: Pulkvisite!
Will sagen: Chefarzt, Oberärztin und sämtliche diensthabenden Assistenzärzte enterten unseren kleinen Raum und traten sich gegenseitig auf die Füße. Der Chefarzt setzte sich mit großväterlicher Geste zu mir ans Fußende aufs Bett und sprach voller Stolz und auch ein wenig von sich selbst eingenommen von der gelungenen OP und wie schön doch alles geklappt hatte.
Na, da durfte er sich ruhig ein wenig brüsten. ;)

So als Patientin ist man ja schon ziemlich auf das Pflege- und Arztpersonal fixiert.
Da lässt man sich Spitznamen einfallen, entdeckt man Sympathien und Abneigungen und verfolgt, welche Schwester gut und welche schlecht spritzt. Das sind alles Themen, über die man sich auslässt, jaja...
Die Oberärztin erschien vom Aussehen her, als sei sie dem Anfang des letzten Jahrhunderts entsprungen. Mit ihr hätte sich so schnell keiner angelegt, sie wirkte auf den ersten Blick streng und irgendwie wenig zimperlich. Dabei war sie immer hochkonzentriert und -meiner Meinung nach- höchst kompetent. Dem Chefarzt schaute sie doch tatsächlich auf die Finger! *kicher* Coole Frau!
Eine junge Assistenzärztin dort hatte es mir besonders angetan. Sie war genauso klein wie ich, war zierlich, hübsch und - am Allerwichtigsten - war nicht nur immer für einen da, wenn einen was quälte, sondern auch mit Kopf und Herz dabei. "Empathisch" ist wohl das Wort, das zu ihr passt. Als Mann hätt ich mich bestimmt in sie verliebt.
Eine Schwester - eine Ordensschwester! - hatte ganz zu Anfang ihren Namen genannt, der mit P anfing, den wir aber nicht verstanden hatten. Und so nannten wie sie - unter uns - abwechselnd Perpetua, Potenzia, Philomena, Pandemonia, Prudenzia usw. Ihr glaubt nicht, wie lange man sich mit der Findung eines neuen Namens beschäftigen kann. ...

Kommentare:

Orinoko hat gesagt…

Sr. Pippilotta? Sr. Pfefferminza?
Vielleicht fällts Ihnen ja noch ein.
Schön, dass Sie den Krankenhausaufenthalt soviel Lustiges abgewinnen konnten. Andere hab ich nach OP´s sehr viel nörgeln gehört. Mag aber an der Wesensart liegen :-)

mkh hat gesagt…

Deine Beschreibung des Hospitaltheaters könnte f a s t dazu anregen, vielleicht auch einmal... Schwester Pimpelonia zum Beispiel, und natürlich Schwester Empathia, die würde ich ja gerne mal kennen lernen. Aber hm, ich glaube, in diese Besucherreihen will ich mich dann lieber doch nicht setzen, wenn´s geht... - Freu mich aber schon auf deinen Teil III. Und wichtig: Dir weiter gute Genesung!

Lily hat gesagt…

Bei mir ging das mal soweit, dass eine bestimmte Vene sich schon vornehm zurückzog, wenn der Stationsarzt kam, um sie anzustechen. Der war sooo mies...

Schön, dass du wieder da bist. Muss mal gesagt werden.
LG
Lily

Meise hat gesagt…

@Orinoko:
Vielleicht Petunia? Jedenfalls war's nicht Ephraims Tochter. ;)

Ach - nachdem ich bei fast allen Dingen so viel Glück hatte, wie kann ich da nörgeln?


@mkh:
Lieben Dank. :)
Empathia hätte dir sicherlich gut gefallen. Sie musste man liebhaben!

@Lily:
Bei mir hatten die Anäthesisten beim 2. Mal auch ein wenig Mühe: mit dem vierten Versuch hatten sie endlich eine Vene erwischt, die sich nicht nochmal herauswand. Biestige kleine Dinger. War aber auch gemein, dass die guten Zapfstellen bereits ausgeschöpft waren - ich bin da nicht so dolle mit gesegnet. ;)

Frau Vivaldi hat gesagt…

Liebe Frau Meise,
schön, dass Sie heile wieder da sind... und alles gut überstanden haben. Freu mich schon auf weitere Berichte...

Meise hat gesagt…

@Frau Vau:
Öhöm...
Nunja, zumindest ein Bericht ist noch in Planung. ;)

Der Bildermann hat gesagt…

Hallo Frau Meise, Sie haben Ihre Schreibaktivitäten ja nun (endlich) wieder aufgenommen. Die Zwangspause war schon recht lästig. Hauptsache ist natürlich, dass es Ihnen nun schnell wieder ganz gut geht! Aber was lese ich dort gerade? Nur ein lausiger weiterer Bericht ist geplant? Da geht aber bestimmt noch was, oder? Jetzt waren Sie einmal im Hospital, erleben alles nicht nur aus erster Reihe, sondern sind mittendrin, und da wollen Sie uns mit gerademal 3 Berichten abspeisen? Da geht noch was!

N(acht)W(ächter) hat gesagt…

Schön das Lächeln und die Lust am Schreiben erhalten sind!

Und die eine Zimmernachbarin hatten, die nicht geschnarrcht hat. Soviel glück hat nicht jeder...:-)

Meise hat gesagt…

@Bildermann:
O.k. ...
ich erhöhe auf vier... ;)

@Nachtwächter:
Und meine Bettnachbarin hatte auch eine Bettnachbarin, die nicht geschnarcht hat!!!