Mittwoch, 20. Mai 2009

Lanze brechend

Im Krankheitsstand hat man zuvorderst eine Pflicht: Gesundwerden!

Aus irgendeinem Grunde - vermutlich weil es sich aus anderer Leute Mund so angehört hatte - war ich davon ausgegangen, dass man nach einer OP mit Bauchschnitt und diversen Schnippeleien im Inneren, gaaaanz lange krankgeschrieben wird und man es sich in der Zeit so "richtig gutgehen lassen" kann. Die Wunde soll schnell verheilt sein und danach geht's nur noch darum, dass man sich nicht überlastet.

Wie schön einem die Realität doch auf die Finger haut. ;)

Nunja. Ich bin schon ziemlich lange krankgeschrieben*. Dieser Punkt stimmt zumindest.

Das mit dem Gutgehenlassen muss ich aber irgendwie verpeilt haben.
Oder ich habe ein anderes Bild davon.
Meine Tage bestanden hauptsächlich daraus, mich irgendwann aufzurappeln (die ersten Schritte meistens noch mit an den Bauch gepresster Hand), um dann nach Frühstück, Duschen und Anziehen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge), den Gang Richtung City zu machen, um meine für den Tag benötigten Dinge zu besorgen. Ich musste laufen, denn Radfahren war noch tabu und ich bin nicht motorisiert. Und Laufen heißt: es dauert alles erschöpfend lange*²!
Und fast immer war ich danach für den Rest des Tages platt.
Klar, ich war auch einmal im Kino und das sogar recht zu Anfang meiner Rekonvaleszenz. Man hat mich auch schon sitzend in einem Café antreffen können. Und zweimal war ich in einem Restaurant essen. Aber danach war der Tag für mich meist gelaufen.
Ich kann sagen: die meiste Zeit habe ich irgendwie verpennt. Oder zumindest gelegen und gedöst.

Also Leute: lasst euch nix vormachen von Leuten, die neidisch auf die Krankgeschriebenen schielen: das ist keine zusätzliche Freizeit, kein von der Krankenkasse bezahlter Urlaub. Es kann einem dabei durchaus zwischendurch mal recht gut gehen aber man sieht es dem Krankgeschriebenen, sieht man ihn im Caféstuhl sitzen, nicht zwangsläufig an, dass er es so gerade bis hierhin geschafft hatte und er hofft, dass dies auch für den Nachhauseweg zutreffen wird ohne von stechenden Schmerzen und merkwürdigem Schwindel diktierter Verschnaufspause auf den Stufen eines Hauseinganges.

Ich bin noch bis Montag krankgeschrieben. Und erst jetzt, die letzten zwei, drei Tage, fühle ich mich allmählich wieder halbwegs fit. Ich fahre wieder Rad (ganz vorsichtig) und die alltäglichen kleinen Dinge, angefangen beim morgendlichen Aufstehen, werden tatsächlich wieder alltäglich und unbemerkt, fast unkommentiert vom bisherigen Ziehen, Stechen und Zerren.

Vielleicht kann ich die letzten (Kranken-)Tage also doch noch genießen. ;)

* davon 16 Tage Krankenhausaufenthalt und im Anschluss daran bricht übermorgen die vierte Woche an
*² bis vor kurzem war mein Laufstil vergleichbar mit dem einer nicht mehr so ganz rüstigen Omi

Kommentare:

Lily hat gesagt…

Oh ja, das kenne ich. Es wird gern angenommen, man mache sich einen Lenz- aber das ist tatsächlich nicht der Fall.
Vor allem, wenn man noch sich selbst versorgen und seinen Haushalt irgendwie auf die Reihe kriegen muss, relativiert sich der Erholungsvorsatz zu einem Ausruhen-nach-Anstrengung.
Pfleg dich noch, so gut du kannst- der Alltag kommt früh genug.
L.

Jay hat gesagt…

Pass nur bitte auf dich auf und übernehm dich nicht.

Meise hat gesagt…

@Lily & Jay:
Jawohl. Wird gemacht. *salutier*