Dienstag, 13. Januar 2009

Lena & Goethe - V

Lena war sich nicht sicher, wie sie weiter vorgehen sollte. Sie wollte nicht über’s Ziel hinausschießen, indem sie seine Wut zu weit schürte, ihm nicht auch noch in die Rippen treten, wo er doch offensichtlich schon am Boden lag.
Mit rundem Rücken saß er da, auf der Armlehne des Sessels, in sich zusammengesackt, und starrte auf diesen hässlichen Teppich, während ihm Tränen die Wangen hinunterkullerten, um Tropfen an seinem Kinn zu bilden. Er gab ein jammervolles Bild ab.
Bedrückende Stille lag im Raum. Goethe gab keinen Laut von sich, schluchzte nicht, weinte unhörbar vor sich hin.
Ihr war es unangenehm. Warum hatte sie ihn nur so gequält?
Er hatte recht, was wusste sie denn schon? Sie hatte in ihrem Leben nur kurze Beziehungen gehabt und die waren alle nicht von der Sorte gewesen, dass sie dem Gedanken hätte verfallen können, sie hätte ihren Partner für’s Leben gefunden. Für sie war nach einer Trennung das Leben weitergegangen: Neues Spiel, neues Glück. Sie hatte nie vorgehabt, einen jener Männer wirklich bis ans Ende ihrer Tage mitzutragen. Himmel, nein, das hätte sie sich nicht vorstellen können. Verliebt war sie oft gewesen, aber mehr war es nicht. Nur eine kleine Wegstrecke in ihrem Leben. Mehr nicht.Und jetzt fragte ein leises Stimmchen in ihr gerade, ob nicht sie eigentlich trauern sollte.

Kommentare:

Jay hat gesagt…

Einfach schön. Da entsteht eine Atmosphäre um mich herum beim Lesen.

Meise hat gesagt…

Danke. :)

mkh hat gesagt…

Trennungen - auch wenn sie manchmal genau richtig sind - sind einfach Sch....!

Sorry, musste jetzt mal raus.