Donnerstag, 11. Dezember 2008

Obacht!!!

Im ewigen Kalten Krieg Radfahrer gegen Motorisierte konnte ich eine weitere infame Falle aufdecken.
Vergangene Woche musste ich am eigenen Leibe erfahren, wie raffiniert und vor allem wie vorausschauend und psychologisch gemein gearbeitet wurde.
Wie ist das, wenn man im Dunkel eine lange gerade Strecke zurücklegen muss und einzig ein weißer Strich die Richtung anzuzeigen scheint? Hmmm?
Man orientiert sich unabsichtlich an genau diesem Strich.

Letzten Donnerstag also fuhr ich mit dem Rad zur Arbeit, nichts Böses ahnend, da ich allein auf weiter Strecke war und keine Autos oder Motorradfahrer fürchten musste, befand ich mich doch auf einer als Fahrrad- und Fußgängerweg ausgewiesenen langen Geraden, die nur alle Jubeljahre mal von einem Fußgänger frequentiert wird.
Eine einzige Stelle auf dieser Geraden ist ein Gefahrenpunkt, denn dort befindet sich die Ein- bzw. Ausfahrt eines Baumarktes, aus der schonmal gerne der eine oder andere Wagen eine kleine Anhöhe hochschießt, um auf die eigentliche Fahrbahn abzubiegen.
Und auch an diesem Morgen kam ein Fahrzeug dort auf mich zu, ließ mich aber vorbei. Ich war noch erfreut ob dieser Höflichkeit und ließ jegliche Vorsicht fahren, fuhr weiter geradeaus und ging der Falle direkt auf den Leim, denn dort bot sich mir der Mittelstrich an, der Fußgänger- von Fahrradweg trennte. Ich lenkte müde eben auf jenen Strich und lag im nächsten Moment auf dem Boden.
BoiJoiJoiJoing!!!
Ich wusste gar nicht, wie mir geschah!
Ich saß auf dem Boden und sah neben mir mein Rad liegen. Ich sah hoch zu dem Auto, das immer noch an der Ausfahrt stand, dessen Fahrer angestrengt auf die Fahrbahn guckte, um eine Lücke in der morgendlichen Autoschlange zu finden, der Beifahrer sah mich jedoch mit großen Augen an, machte Mundbewegungen, die ich als "Alles o.k.?" deutete und winkte ihm freundlich zu, alles sei in Ordnung. Wobei ich mir da noch gar nicht so sicher war...
Und dann sah ich den Übeltäter: ein Schild, genau auf dem Mittelstrich platziert!
Da wusste ich, dass das alles von langer Hand geplant gewesen war.
Wie vielen Attentaten und Übergriffen war ich schon entkommen und da musste mich eine so kleine, perfide Falle doch noch erwischen: ein Schild, dessen Stange im dunklen Regengrau kaum auszumachen war.
Ich rappelte mich auf, verfluchte die gerissenen Agenten des Imperiums der Motorisierten und fuhr weiter, als sei nichts geschehen. Ein paar Blessuren in Form von Blutergüssen und Abschürfungen hatte ich zwar, die waren aber zum Glück schnell wieder verheilt. Und ich konnte auch von Glück reden, dass ich die vermaledeite Stange nicht direkt getroffen, sondern nur mit dem Lenkrad touchiert hatte. Sonst hätte ich sicherlich noch eine Beule am Kopf vermelden können.

Das Teuflische aber ist: ich habe gemerkt, dass ich, wenn ich morgens verträumt Richtung Arbeitsstelle fahre, immer wieder mal dem Mittelstrich verdammt nahe komme... Obacht!!!

Kommentare:

mkh hat gesagt…

Unglaublich! Fies!! Durchtrieben!!! Ich bin sicher, das Schild ist mobil und lässt sich aus sicherer Entfernung horizontal verschieben resp. vertikal ausfahren!

Na, und der pseudofreundliche Beifahrer... das war doch Tarnung, ein!deu!tig!!!

mkh hat gesagt…

Und: Gute Besserung! *autsch*

Frau Vivaldi hat gesagt…

Auauauau...ist aber wirklich fies!

Lily hat gesagt…

Du bist nicht die erste, der das passiert... einer Freundin auch: Langer,ehemals weißer Strich, und der hellgraue Mast vom Schild ist aus bestimmten Winkeln exakt deckungsgleich mit der Strich-Markierung. Den übersieht man ganz leicht.

Meise hat gesagt…

@mkh:
Du sagst es!!! Jawohlja!
Teuflische Sache!
Was die Besserung angeht, die ist schon erfolgt. ;)

@frau vau:
Das ist ja das Hinterhältige an diesen Fallen: man fährt tausendmal daran vorbei und nichts passiert. Die dachten sich: wir können warten! ;)

@lily:
Ja, ja, das Leben eines Radfahrers ist stets großen Gefahren ausgesetzt! Vor allem, wenn man an den Wasserlöchern nicht auf die Löwen achtgibt!