Freitag, 28. November 2008

"Zug"-Stress

Also, ich will euch mal was sagen: Das nächste Mal leih ich mir nen Wagen!
Ich kenn ja einige, die lieber mit der Bahn fahren, als mit dem Wagen irgendwo wer weiß wie lange im Stau zu stehen oder von Baustelle zu Baustelle zu schleichen. Kann ich verstehen.
Klar, im Zug muss man auf keinen Verkehr achten, auf keine Drängler oder slalomfahrende Lkws mit fragwürdig festgezurrtem Transportgut. Aber dieses Mal haben mich Hin- und Rückfahrt schon ein wenig vergrätzt.
Auf der Hinfahrt fiel in Münster ein IC aus. Kurz bevor besagter Zug hätte einfahren sollen lief eine Schrift über die Anzeigetafel, der Zug würde ausfallen. Natürlich strömte ein ganzer Pulk an fragenden Gesichtern zum glücklicherweise vorhandenen Schaffnerhäuschen auf diesem Gleis (was ja auch nicht selbstverständlich ist, an manchen Bahnhöfen sucht man DB-Personal vergeblich - die sind dann wohl zu klein - was für Münster natürlich nicht zutrifft).
Die vorne im Pulk, die den engen Eingang erobert hatten, erfuhren denn auch sogleich, mit welchem Zug sie statt dessen reisen könnten, die hinteren wurden immer ungeduldiger, weil sie nichts mitbekamen - ich unter ihnen. Ich fragte also kurzerhand eine Herauskommende.
Es stellte sich heraus, dass sie auch nach Berlin wollte und gab mir freundlicherweise Auskunft und zog mich mit einer Dritten, die zugehört hatte, mit zu einem (entfernten!) Gleis, an dem ein Regional-Express schon abfahrbereit stand und gleich nach unserer gehetzten Eroberung des Vorraumes, wo sich normalerweise die Passagiere für "Oben" oder "Unten" entscheiden, den wir uns aber mit ein paar anderen Passagieren leider teilen mussten, weil sich überall schon alles quetschte, fuhr der Zug los.
Nach Hamm! Also eigentlich wieder zurück.
In Hamm durften wir dann gehetzt einen ICE nach Berlin besteigen, der auch schon abfahrbereit da stand. Huschhusch - hinein - und ab geht's!
In besagtem ICE tat uns der Lautsprecher auch gleich kund, wir Passagiere des ausgefallenen ICs bräuchten keinen zusätzlichen Aufschlag zu bezahlen!
Wir konnten nicht anders, wir mussten lachen!
Hier trennte sich dann bereits unser kleines "Schicksals"-Grüppchen:
die zwei suchten sich in der Menge in den wenigen 2. Klasse-Wagen einen der wenigen noch freien Sitzplätze, was mir zu blöd war, da ich mich mit meinem Gepäck nicht durch die drängelnde Schar quetschen wollte.
Ein Schaffner sah mich im Gang hocken und "befahl" mich duzenderweise in die 1. Klasse - er sei ja auch bis Berlin da und das ginge schon in Ordnung. Ha! So jung seh ich also noch aus! *grins* Dieser Abschnitt der Fahrt war tatsächlich ein herrlich entspannter. Ab Berlin ging es für mich per Bimmbelbahn weiter in den Norden. Im Ernst: dort wird jede Ansage mit einer Bimmelmelodie eingeleitet. Auf Dauer ein wenig nervig, aber tatsächlich nicht zu überhören. So weit, so gut. Die Hinfahrt war geschafft.

Bei der Rückfahrt sorgte schon am Abfahrtsbahnhof auf dem Gleis ein Aushang für Verwirrung und Sorgenfalten auf der Stirne:
mein Regional-Express sollte teilweise ausfallen (leider wurde ich nicht daraus schlau, ab wo und bis wohin, denn die genannten Bahnhöfe hätten für mich auch in in "Pusemuckel" liegen können), denn für den 28. November war zwischen 7:30 und 13:10 eine Bombenentschärfung an einem Gleis des Oranienburger Bahnhofes geplant - mit Evakuierung der umliegenden Anwohner und "heißer Phase" gegen 11:00! Was denn nun auch fast meine Abfahrtszeit war.
Eine Frau auf selbigem Gleis gefragt, sah ich nun auch sie in Sorgenrunzeln verfallen. Sie hatte den Aushang gar nicht erst gesehen. Sie rief noch einen jungen Mann hinzu, der gleich auch verwirrt dreinschaute und sich für uns schwer bepackte Frauen in den Kampf warf und zum Schalter im Bahnhofs-Vorraum zurückkehrte, um Kenntnis zu erlangen, ob wir hier überhaupt wegkämen, denn aus dem Aushang ging nicht hervor, welchen Zug man statt dessen nehmen könnte. Da standen zwar einige Busabfahrzeiten, die aber für irgendwelche uns allen nicht bekannte Städtchen galten.
Sollte der Zug vielleicht bis dorthin gehen?
Auf jeden Fall gab es überhaupt keine Durchsage dazu.
Was auch immer der Aushang aussagen sollte, der junge Mann kehrte zurück und tat uns kund, der Regionalexpress würde auf jeden Fall planmäßig bis Neustrelitz gehen, wo wir vielleicht mehr erfahren würden, ob der IC, der uns nach Berlin bringen sollte, fahren würde oder nicht.
Während der Zugfahrt befragten wir (jaja, schon wieder waren wir ein Schicksalsgrüppchen von 3 nervösen und verwirrten DB-Passagieren) den Schaffner, der uns nur sagen konnte, dass er nichts wisse. Herrlich!
In Neustrelitz fuhr unser IC (mit uns!) dort ab, wo er sollte, und wieder gab es nirgendwo eine Durchsage oder wusste ein Schaffner bescheid.
Tatsächlich fuhren wir unbehelligt durch, passierten auch Oranienburg - unbehelligt von irgendwelchen Bomben oder deren Entschärfern - und gelangten, immer noch verwirrt aber glücklich, dass wir nicht auf einen dubiosen Schienenersatzverkehr (im Anschlag hatte nur SEV gestanden und wir kamen erstmal gar nicht darauf, was das heißen sollte!) hatten zurückgreifen müssen, in Berlin an.
Dort bestieg ich meinen IC, der eigentlich hübsch ausgestattet war, mit schwarzen Kunstledersitzen und Holztischchen für jeden, dass ich mich schon nervös umguckte, ob ich nicht doch aus Versehen in die 1. Klasse geraten war.
Leider hatte ich einen unsympathischen Sitznachbarn, der augenscheinlich Lehrer war, denn er füllte stundenlang irgendwelche Tabellen aus, in denen es um Sportabzeichen von 5. und 6. Klassen ging. Er grunzte immer wieder oder klopfte ruckartig auf den Tisch, als wolle er die nichtanwesende Schülerschar zur Ruhe rufen und um Gehör bitten und trank während der Reise Bier und Schnaps aus einem Fläschchen - selbst mitgebracht in einem kleinen Kühlbehälter. Gottseidank mussten wir uns nicht auch noch eine Armlehne teilen, wir hatten jeder selbst eine in der Mitte.
Mir gegenüber saß ein verliebtes älteres Pärchen, die sich immer wieder zuglucksten und ihre zehn Zeitungen über den ganzen Tisch verteilten, sie waren mir aber sympathisch. Trotzdem ist es unangenehm, nicht zu wissen, wohin man seine Beine ausstrecken soll. Wenn man sich mit fremden Menschen unterm Tisch ins Gehege kommt, führt das bei mir zu verspanntem Sitzen. Und ich habe wirklich kurze Beine! Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es den Großgewachsenen unter euch dabei so ergeht!
Hier also war ich trotz des ansprechenden Interieurs wegen der Sitzsituation und des unsympathischen Sitznachbarn (den man sich im Zug ja nunmal nicht aussuchen kann) vergrätzt.
Zu "guter" Letzt hatte besagter IC aber denn doch noch eine Verspätung, dass ich meinen Anschlusszug nicht mehr bekam, die nächste S-Bahn auch nicht, weil die erfolgte Durchsage nur für ICE-Reisende galt und nicht für so "pucklige" Reisende wie mich, ich mir also erstmal einen Abfahrtsaushang suchen musste und somit die S-Bahn vor meiner Nase davonfuhr. Die nächste S-Bahn hatte dann auch noch Verspätung, was mir eine durchfrorene Wartezeit am Düsseldorfer Hbf einbrachte, wo's wirklich immer zugig ist.

So war ich denn endlich nach einem langen, langen Tag zuhause angekommen.

Ach. Ich vermisse mein Auto!


P.S.: Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich verwirrte Passagiere zu Grüppchen zusammenschließen, um nur nicht allein den Wirrungen und Irrungen der Bahn ausgeliefert zu sein.
P.P.S.: Während ich "weg" war, bin ich hier ja über die 10.000er Marke gerutscht. ;) Huiii.
P.P.P.S.: Lieber mkh, habe denn mal nachträglich ein paar Absätze zwischen meinen Satzschlangen eingefügt.

Kommentare:

mkh hat gesagt…

Uff, hast du deine ABSÄTZE im Norden gelassen???

Das, was mich beim Autofahren meistens - trotz allem Verkehrsstress - sehr entspannt, ist die Individualiät: Gerade beim Alleinfahren kann man herrlich ungestört nachsinnen und nachsingen auch.

mkh hat gesagt…

Übrigens: Willkommen zurück!

Meise hat gesagt…

*grins* Vielleicht hab ich sie im Zug liegenlassen oder an einem Gleis verloren. ;)
Genau so geht's mir auch beim Autofahren! Und alleine fahren ist am Allerschönsten! :)
Übrigens: Danke schön! :):)

Orinoko hat gesagt…

Wenn eine eine Reise tut, dann kann´Se was erleben!
Zu meinem letzten Berlinbesuch hab ich mich für Bahn entschieden und werde auch künftig dabei bleiben. Ist allemal stressfreier und auch billiger.
Das mag im weniger gut strukturierten Umland anders sein. Pech kann man mit Auto aber auch haben, Bekanante haben von hier aus mal sieben Stunden gebraucht um zu einer Hochzeit nach München zu kommen (üblicherweise 3,5 Stunden) immerhin haben sie noch was zu Essen bekommen.

Orinoko hat gesagt…

Puh, keine Ahnung wieso ich da München schrieb, gemeint ist Frankfurt (Main). Immerhin eine gute Gelegenheit, um mich nochmal darüber zu freuen, dass Ihre umständliche Bahnreise uns dieses Posting bescherte.

Lily hat gesagt…

Huhu Meise! Schön, dass du wieder da bist. Bahnreisen haben was, aber nur, wenn die Zeit nicht wichtig ist.
Wenn doch: Lieber das Auto nehmen, und laut mitsingen:-)
L

Jay hat gesagt…

Welcome back. :)

Meise hat gesagt…

@orinoko:
Stressfreier, hmnaja...? Man kann mit beiden Reisemöglichkeiten Stress haben und auch entspannt ankommen.
Ich muss, wenn ich meinen Bruder und dessen Familie besuchen möchte, leider bis zu vier mal umsteigen, da kann eben eine Menge passieren.
Am allerlästigsten dabei ist eben das Schleppen des Gepäcks. Das reduziert sich beim Autoreisen eben in Ins-Auto-packen und Aus-dem-Auto-herausholen.
Beim Bahnreisen muss man auf jedem Bahnhof die Last die Treppen hoch- und runterhieven (die Aufzüge sind entweder zu weit entfernt oder schon besetzt, da ist das per Treppe schneller) und in jedem Zug außer für sich selbst auch DAFÜR einen Platz finden.
Und was das Zu-spät-ankommen angeht, so hab ich auch mal 4 Stunden in Berlin-Spandau auf einen Anschlusszug warten müssen (jeweils nach einer halben Stunde kam immer wieder eine halbe Stunde dabei, so dass man tatsächlich ausharrte, weil man damit rechnete, dass der Zug ja "gleich" käme), bis sie endlich doch bekannt gaben, dass man einen anderen Zug nehmen solle, weil dieser denn doch ausfallen würde. So wird eine 8-Stunden-Reise locker zur 12-Stunden-Reise.
Die ich mit dem Auto auch schon hatte, da stand ich vier Stunden im Stau. Allerdings kann man da wenigstens laut Musik hören und ist ein wenig lockerer, weil das Fortbewegungsmittel sich immerhin unter den eigenen Vier-Buchstaben befindet.

@lily:
Huhu, Lily! :)
Ja. Leider muss ich mir ein Auto erstmal leihen, weil ich kein eigenes mehr besitze. Das kostet ja auch wieder. :(
Aber das nächste Mal, wenn's zu meinem Bruder geht, wird es mir das wohl wert sein.

@jay:
:)

N(acht)W(ächter) hat gesagt…

Ebenfalls wilkommen zurück. Und lassen sie es sich von einem länger gewachsenen Erdbewohner gesagt sein: Mit fremden Menschen an einem tisch sitzen ist nicht das Wahre.. um es mal diplomatisch auszudrücken!^^

Meise hat gesagt…

@nachtwächter:
Irgendwie hab ich mir das gedacht. ;)