Donnerstag, 30. Oktober 2008

5. Beitrag - "Zum Mitmachen"

Lily hat einen "Schnellschuss" gemacht, wie sie es nennt. Lest selbst, aber haltet ein Tuch bereit, um etwaige Schweißtropfen oder Sabberspuren zu tilgen. ;)


Sagenhaft

Komm zu mir, du Schöner, ich lade dich ein.
Die Kerzen flackern im Septemberwind, der das Erinnern eines langen Sommers in sich trägt, und hier ist es still, hier, in meiner verschwiegenen Kammer.
Der Wein liegt schon auf dem Eis, kalt und schwarz und schwer wird er sein wie die ewige Ruhe, und er wird deine Sinne betäuben.
Spiegel aus flüssigem Silber sind die Teller auf der Seide, und es dauert nicht lang, so füllen sie sich mit den Reichtümern der Gärten.
Wehrlos in der Sonne fühlte der Feigenbaum seine Früchte süß und dick anschwellen, und nur für dich wurde er ihrer beraubt. Nun liegen sie da, und immer noch duften sie wie die Hitze eines Sommertages. Ihr Saft läuft über dein Kinn, und ich strecke meine Hand aus, um einen Tropfen aufzufangen.
Du lächelst mich an, und greifst nach meiner Hand- geschmeidig und flink entziehe ich sie dir, und schenke dir nach vom Wein, mein Gewand streicht sacht über deine Schulter.
Dein dunkler Blick sucht den meinen festzuhalten, und zögernd nur nimmst du die Auster aus meiner Hand-: Koste sie, lass sie über deine Zunge gleiten, verschlinge sie ganz.
Ich bringe dir Oliven und Nüsse, und du öffnest deine Lippen, um sie entgegen zunehmen- dein Atem streift meine Finger. Warm ist er, schwer und feucht.
An deiner Schläfe pocht blau eine Ader, und dein Gesicht ist weich im Kerzenlicht.
Mein Daumen zeichnet den Bogen deiner Braue, und du schließt die Augen- die dunklen Wimpern werfen Schatten auf deine Wangenknochen, und mein Entzücken ist wahrhaftig und tief.
Schön bist du, mein Freund.
Etwas Süßes lass mich dir reichen, etwas von dem Honig dort träufle ich in meine Hand, und gebe sie preis, lasse deine kühlen Finger mein Handgelenk umfassen. Ich spüre dein Blut pulsieren, es ist drängend, es eilt... Du hältst die Hand fest, und schaust unbeirrt in meine Augen, während dein Mund sich senkt und die Lippen den Honig aufsaugen. Deine Zunge, warm und geschmeidig, streicht über die Finger, leckt und streichelt und nimmt noch die letzte Süße mit.
Ich schließe die Augen.
Und ich höre wie du meinen Namen sagst... immer und immer wieder, bis deine Stimme versagt, und ich weiß, ich werde dich hören, nachts im Traum, wenn du ihn flüsterst, wenn du ihn rufst, wenn du ihn singst. Lucrezia.



Lucrezia.




Lucrezia...


.....

Kommentare:

Frau Vivaldi hat gesagt…

WOW!!

baff, sprachlos...

mkh hat gesagt…

Prickelnd! Geheimnisvoll! Fein! - Nur, also jetzt im Ernst: schwarzen Rotwein, den darf man doch nicht auf Eis legen.... ts ts ts

;-)

Lily hat gesagt…

schäm...
meine Korrekturleserin hat das auch bemängelt. Aber ich bin mir sicher, Lucrezia wusste das auch nicht ;)

mkh hat gesagt…

Hm, wenn es sich bei deiner Lucrezia um diese hier handeln sollte, dann müsste sie als Italienerin mit wohltemperierten Weinen ja vertraut sein. - Aber wie auch immer: Dass Lucrezia Sinn für prickelnde Sinnesgenüsse hat, zeigt die Geschichte ja auf jeden Fall! Weinliebhaber drücken halt ein Auge zu ;-)