Freitag, 31. Oktober 2008

Blick vor und zurück

In letzter Zeit bestürmen mich mal wieder merkwürdige Gedanken, die ich ständig hin und her sortiere, mal wieder irgendwo weglege, um sie später doch wieder hervorzuholen.

Ich muss gleich noch einkaufen, Zutaten besorgen, um eine Halloween-Blätterteig-Schlange zu backen, mein Mitbringsel für den Halloween-Abend bei einer Freundin und ihrem Mann. Wir planen "Underworld" zu gucken, aber erst als Zweitfilm, denn der Mann des Hauses mag keine gruseligen Filme, für ihn gucken wir erstmal Keinohrhasen und wenn er bettschwer geworden ist dann unseren Film.
Eigentlich sollte ich auch irgendwie verkleidet dort auftauchen, aber ich hab noch nix. Und wenn ich ehrlich bin, hab ich's damit auch nicht so. Hmnaja. Mal sehen...

Ich wollte mich schon letzte Woche bei einer Freundin melden, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen habe, aber irgendwie wurde da nix draus. Wenn ich mal anrief, ging keiner ans Telefon. Nun, morgen will ich sie endlich mal erwischen!

Morgen wird mich sicherlich meine Mutter anrufen und mir davon berichten, wie das Grab meines Vaters aussieht, was sie daran geändert hat, was neu gepflanzt wurde etc., nur um mich dann zu fragen, ob ich das Grab denn auch besucht habe.
Ich war schon lange nicht mehr dort und morgen werde ich wahrscheinlich auch nicht hingehen...
Irgendwie sperre ich mich davor, mich nach solchen Terminen (Allerheiligen in diesem Falle) zu richten. Wenn mir der Sinn danach ist, dann kann ich jederzeit einen Besuch machen. Nur stand mir schon ziemlich lange nicht der Sinn danach. Was mir irgendwie auch wieder ein schlechtes Gewissen macht. Ich habe sie die ganze Zeit mit der Arbeit ganz alleine gelassen. Andererseits sind hier ja noch zwei Brüder vor Ort, die ihr genauso helfen können. Eigentlich besser noch, da beide ein Auto besitzen...
Ich denke aber, dass meine Mutter die Frage auch deshalb stellt, um zu sehen, wie es bei mir um das Thema bestellt ist. Sie weiß, dass ich ein Riesenproblem mit dem Tod meines Vaters hatte... und habe.
Allerdings hat mich ein Friedhofsbesuch nicht wirklich an ihn oder seinen Tod erinnert. Eigentlich nur an die Zeit danach, die voll von Trauer, Wut und Arbeit war. Und voll von Sorge um meine Mutter, der es damals sehr schlecht ging.
Vielleicht möchte ich mich nur von diesen Erinnerungen distanzieren...?

Jedes Jahr im November also, holen mich diese Dinge irgendwie wieder ein, genauso wie im Februar, dem Sterbemonat meines Vaters. (Seitdem mag ich Karneval nicht mehr so...)
Ich denke an meinen Vater, wie er starb, an die Begleitumstände, an das, was alles darauf folgte.
Dies alles liegt aber schon ein ganzes Weilchen zurück und mittlerweile schmerzt es nicht mehr so.

Manchmal stelle ich erschreckt fest, wieviel Zeit seitdem vergangen ist und wie wenig sich in meinem Leben seitdem verändert hat. Irgendwie habe ich stillgestanden, ausgeharrt, vielleicht abgewartet. Und ich habe mich schon bei dem Gedanken erwischt, dass ich meine Zeit verlorengehen ließ, einfach fortfließen ließ, unwiederbringlich...


Nun muss ich aber los, die aufgeschriebenen Sachen besorgen.
Und vielleicht finde ich ja doch noch eine Gummi-Hexen-Nase, dann könnte ich mit schwarzem Umhang (Fleece-Decke, die ponchomäßig einen Kopfdurchlass in der Mitte bekommt) und spitzem Hut doch noch eine Verkleidung hinbekommen...

Kommentare:

Lily hat gesagt…

Huhu Meise,

ich glaube, eine Zeit der vermeintlichen Stagnation braucht man, um nach einem lebensverändernden Verlust (denn so oder so: er verändert) wieder in den Tritt zu kommen. Auch kann ich gut nachvollziehen, dass dich nichts auf den Friedhof treibt, um dort zu trauern. Nicht jeder benötigt dafür ein Grab. Was niemanden abqualifizieren soll, die nicht, die in der Pflege und dem Besuch eines GRabes Aktivität entwickeln, die ihnen gut tut, noch die, die in der Stille Abschied nehmen. Und genau so wenig, wie einem nach Lustigsein zu Karneval sein muss, muss man sich strukturierter Trauer zu Allerheiligen hingeben.
Du suchst dir schon den Weg, der für dich richtig ist.

L

Bär-Bellinda hat gesagt…

Liebe Meise,

die Zeit, die man verfließen läßt ist sicherlich unwiederbringlich vorbei. Ich bin trotzdem davon überzeugt, daß man gerade diese Zeit braucht. Das ist für mich immer eine Zeit, in der man sich selber sortiert und orientiert. Nur weil es unter der scheinbar passiven Oberfläche geschieht, heißt das noch lange nicht, das das wirklich eine passive Zeit ist. Manche Dinge erscheinen anders, als sie dann wirklich sind.
Nur Mut: Alles im Leben hat seine Zeit.... und braucht seine Zeit.

Liebe Grüße :-)

mkh hat gesagt…

Nah dran, dein Post! Wer solche aufrichtigen Gedanken pflegt, der (die) scheint mir nicht der Typ Mensch zu sein, der seine (ihre) Zeit einfach so verlorengehen lässt!

Meise hat gesagt…

Der Tod meines Vaters liegt schon sieben Jahre zurück. Das ist es, was mich nachdenklich macht, dass es sich immer noch und immer wieder wie Schatten über mich zu legen vermag. Es ist wirklich besser geworden, seltener. -
Aber vielleicht ist es auch einfach die daraus resultierende Position, die ich in der Familienstruktur eingenommen habe und die ich versucht habe, allmählich auch wieder abzustreifen. Was nicht so einfach ist und auch wieder mit Selbstvorwürfen und Selbstzweifeln verbunden ist.

Ich danke euch für eure Worte.
Heute bin ich traurig und sie geben mir Trost.

Frau Vivaldi hat gesagt…

Liebe Meise,
das ist ganz normal!! Meine Mutter ist vor über 35 Jahren gestorben und ich bin auch nicht damit fertig. Wie viel schwerer wäre es für mich, wenn ich sie so lange und richtig gekannt hätte wie Sie Ihren Vater?
Verlust gehört zum Leben, genauso wie Veränderung. Und man braucht Zeit zum trauern. Wie lange das sein darf, soll oder muss kann und sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Zünden Sie eine Kerze für ihn an, denken Sie eine Zeitlang heute ganz intensiv an die schönsten Zeiten mit ihm und lassen dann für heute los - genießen Sie dann die Herbstsonne, soweit vorhanden, tun Sie was Schönes für sich und seien Sie einfach glücklich und zufrieden.
Das Leben kann so schön sein!
Herzlichst, FrauVau

Meise hat gesagt…

Ich habe heute eine Freundin besucht und wir haben ein paar schöne Stunden mit Schnacken verbracht. :) Mein Traurigsein hat sich wieder zurückgezogen, auch ohne Herbstsonne (hier regnet's schon den ganzen Tag). Danke. :)

mkh hat gesagt…

"...Der Tod meines Vaters liegt schon sieben Jahre zurück. Das ist es, was mich nachdenklich macht, dass es sich immer noch und immer wieder wie Schatten über mich zu legen vermag..."

Nur ein Gedanke: Ich lese gerade ein Buch von Michael Newton, "Die Abenteuer der Seelen". Vielleicht wäre das auch lesenswert für dich? Oder sein erstes Buch "Die Reisen der Seelen". - Das wars schon;-) Bis dann, mkh

Meise hat gesagt…

Ich danke dir. Dir beiden Titel habe ich mir notiert. :)