Donnerstag, 9. Oktober 2008

Allmorgendlich

Der Wecker klingelte und sie fuhr hoch. Mitten aus einem Traum heraus hatte er sie gerissen. Stöhnend warf sie sich in ihrem Bett herum und schlug auf die Schlummertaste des Störenfrieds. Wovon hatte sie noch eben geträumt? Komisch, bevor sie auf den Wecker gehauen hatte, hatte sie es noch gewusst und jetzt war es nicht mehr da. Hatte sie ihren Traum einfach weg-, einfach abgeschaltet, indem sie auf die Schlummertaste gedrückt hatte? Sie ächzte. Solche Gedanken sollte man nicht haben, wenn man gerade erwacht, beziehungsweise erwachen sollte.
Mit einem erneuten Stöhnen tastete sie nach dem Lichtschalter ihrer Nachttischlampe.
Schon wieder aufstehen. Dabei war sie doch gerade erst eingeschlafen. Aber der Wecker sagte was anderes. Verdammter Wecker! Warum ließ man sich von so einem Ding eigentlich aufdiktieren, wann man aufzustehen hatte? Na gut, lenkte sie ein, sie hatte ihn ja selber gestellt.
Das Licht war ihr zu grell und sie kniff die Augen zu. Friedliche Dunkelheit. Aber nicht für lange.
Der Wecker piepste wieder los. Diesmal machte sie ihn ganz aus, das Licht brannte ja schon, da war die Gefahr nicht so groß, dass sie wieder einschlief. Ach, ihr war so gar nicht nach Aufstehen! Im Dunkel hinter den geschlossenen Lidern fühlte sie sich selbst, ihre Wange und ihr Ohr auf dem Kissen, ihr Körper von der Decke umhüllt, warm und behaglich.
Als sie das nächste Mal nach der Uhrzeit blinzelte, waren es schon zehn Minuten später.
Ohje, jetzt aber raus. Sie warf die Decke ans Fußende und schwang die Füße herum. So, schon halb geschafft. Stumm vor sich hin jammernd, weil sie die kuschlige Wärme des Bettes zurückließ, wankte sie hinüber ins Bad.

Unter dem platternden Wasser der Dusche stehend wurde sie langsam wacher. Gedanken flogen von links nach rechts und von rechts nach links. Manche waren schon alt und sie kannte sie bereits, einige wenige neue hatten sich anscheinend über Nacht in ihr eingefunden. Es waren aber allesamt keine Gedanken, die sie den Tag begrüßen ließen und so schob sie sie für einen Augenblick alle beiseite, stellte das Wasser noch etwas wärmer und konzentrierte sich ganz auf die Hitze, die ihren Rücken entlangfloß. Das war ihr Trost. Ihr Trost, wenn es darum ging, aufzustehen. Zu wissen, dass wenigstens die Dusche ihr diese Wärme, diese Hitze bot. Der Nachteil war, dass sie es auch hier viel zu lange hielt, sie es immer hinauszögerte, bis sie endlich das Wasser abstellte und nach dem Handtuch angelte. Alles andere war stummes Tun, doch irgendwann verließ sie die Wohnung und machte sich auf den Weg.

Kommentare:

Jay hat gesagt…

Ein kleines Geschichtchen für Spätaufsteher und Ausschlafsympathisanten. Auch wenn ich da nicht zu gehöre, sehr schön.

Anonym hat gesagt…

Ich wußte gar nicht, daß Du neuerdings über mich schreibst :-)
Liebe Grüße
die Frau vom Rhein

Anonym hat gesagt…

@die Frau vom Rhein
Ja, Sie hat Dich wieder erkannt.....
Gruß
Der Bildermann

Klapsenschaffner hat gesagt…

Sie... könnte auch Er sein, und wenn Sie Er wäre, dann wäre Er ich.

....oder so.

Meise hat gesagt…

@jay:
Aber ich. Ich gehöre dazu. Leider, muss ich da sagen.

@frau vom rhein:
Da sind wir uns wohl einfach nur sehr ähnlich.

@bildermann:
Naja... ööhm... Na gut! ;)

@schaffner:
Na dann: Willkommen im Club! :)

mkh hat gesagt…

Warmduscherin! ;-)

Schönes Experiment über die alltäglichen kleinen Wahrnehmungen!

Meinereiner ist morgens ja erst mal etwas wasserscheu respektive ich brauche zunächst heißes "Wasser" IN mir, ehe ich es AN mir haben möchte...

Meise hat gesagt…

@mkh:
Ja. Bin ich. Mit Wonne! *grins*